Tools für mehr Miteinander: Johari-Board

Artikel veröffentlicht: 10 Januar 2017

Wenn es in Teams nicht gut funktioniert, kann eine Ursache darin bestehen, dass einzelne Mitglieder „nicht gut mit einander können“. Gerade wenn die Arbeitsbelastung sehr hoch ist oder viele Veränderungen gemeistert werden müssen, treten Charakterunterschiede vermehrt in den Vordergrund und werden zum Anlass für Unstimmigkeiten oder Streit. Gewissermaßen als Überdruckventil. Da sich die Rahmenbedingungen selten einfach verändern lassen, sollte man spätestens dann (besser natürlich schon vorher!) das Augenmerk auf das soziale Miteinander legen. Sicher, das können auch mal gemeinsame Unternehmungen sein, aber noch besser ist es, die Teammitglieder darin zu fördern, ihre Eigenarten und ihr Verhalten zu reflektieren.

  • Wie sehen mich eigentlich die anderen im Vergleich zu mir?
  • Wie wirke ich mit meinem Verhalten auf andere?
  • Welches störende Verhalten sieht mein Kollege gar nicht?

sind Fragen, die im Vordergrund stehen können. Also ein Abgleich von Selbstbild und Fremdbild. Denn es ist immer ein Zusammenwirken. Nie sind nur „die anderen“ schuld. Wie kann so etwas nun aussehen?

Bekannt ist in diesem Zusammenhang das Johari-Fenster. Es macht zunächst einmal bewusst, dass es Verhaltensbereiche mit unterschiedlicher Sichtbarkeit gibt. Solche, die ganz offensichtlich sind (Öffentliches). Solche, die ich vor anderen verberge (Persönliches), und natürlich auch Eigenheiten, die meinem Blick verborgen sind – die bekannten blinden Flecken.

Wie kann so ein Johari-Board aussehen?

Eine Möglichkeit ist eine Pinwand nach obigem Muster im Büro aufzustellen (aber bitte so, dass sie nicht jeder Gast sieht). Jedes Teammitglied ist dann eingeladen, Karten oder Klebezettel für sich selbst und Kollegen anzubringen, auf denen Eigenschaften und Verhaltensweisen stehen. Intention: Die Beschreibungen sollen nicht für Anklagen und Vorwürfe dienen, sondern zur Diskussion und Reflexion.

  • Wie meint ihr das: Ich werde schnell aufbrausend?
  • Oh, ihr haltet mich für so ordentlich?
  • Ich möchte euch verdeutlichen, warum ich nicht so viel Überstunden machen kann!

Damit können Sie erreichen, dass die Teammitglieder vermehrt in den Austausch kommen, statt sich arbeitsbedingt in ihr Schneckenhaus zurückziehen und das Miteinander auf der Strecke bleibt. Eine Spielregel ist, dass Bemerkungen offen, aber nur wertschätzend und nicht beleidigend sein dürfen. Sie sollen Beobachtbares und Wahrnehmungen widerspiegeln.

Und so funktionierts

Ähnlich dem Johari Fenster gibt es auf dem Board verschiedene Bereiche:

  • So kennt ihr mich doch?! – hier sind die Teammitglieder eingeladen, Beschreibungen über sich selbst abzugeben. Quasi das Selbstbild. Das Fenster der Öffentlichkeit.
  • Das kennt ihr noch nicht – die Preisgabe einer Information über sich selbst zum besseren Verständnis eigener Verhaltensweisen. Das Fenster des Persönlichen.
  • Das ist mir noch gar nicht bewusst gewesen – hier kann jeder der Person blinde Flecken offenbaren. Das Fremdbild zurückspiegeln. Es ist zu empfehlen, dass der Absender seinen Namen angibt.
  • Fragen und Joker – eine Möglichkeit konkrete Fragen zu mir zu stellen oder etwas zu posten, was sonst nirgendwohin passt. Ein Lob zum Beispiel.

Voraussetzungen für die Anwendung

  • Es dürfen keine direkten Konflikten vorhanden sein.
  • Es benötigt ein Mindestmaß an Offenheit untereinander.
  • Auch eine Freiwilligkeit sollte vorhanden sein, da es durchaus „ans Eingemachte“ gehen kann.
  • Und Sie sollten als Führungskraft in der Lage sein, das Tool passend zu erläutern und auch das Warum und Wozu rüberbringen, um ein Commitment zu erzeugen. Gern können Sie das auch als Experiment zur besseren Zusammenarbeit ankündigen.

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Maik Riess
Institut für systemische Ent-Wicklung
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